Corona-Comics als Buch: jetzt bestellen für guten Zweck

In der DURCHBRUCH-Ausgabe 02/2020 haben wir über „Zak’s Chat mit Corona“ berichtet. Aus dem Gemeinschaftsprojekt von Zak, seiner Mutter Meriem Ben Jelloun, der Illustratorin Gundula Prinz und deren Töchter Hennriette und Jara ist ein Buch entstanden, mit inzwischen zwei Comics. Die Fortsetzung des ersten Comics wurde ebenfalls illustriert und kann hier angesehen und angehört werden.
Mit Hilfe von Spenden aus dem engsten Freundes- und Familienkreis  konnten 250 Exemplare gedruckt werden, deren Verkauf zu 100 Prozent an die Frankfurter Organisationen MainLichtblick e.V.  und Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V.  gespendet werden. Näheres zur Entstehung und zur Auswahl der Organisationen lesen Sie im Vorwort (auf Englisch). 

Die Comics klären auf charmante Weise auf, es geht auf Weihnachten zu und der Erlös geht in einen guten Zweck – also am besten gleich bestellen: für etwa € 12,50 zzgl. Portokosten bei Meriem Ben Jelloun, E-Mail: mortimer.frankfurt@gmail.com 

 
 
 
 
 

Chefin der Grünen Bande ist Preisträgerin

Nina Lindtner, Chefin der „Grünen Bande“, haben wir im Durchbruch 02/2020 interviewt. Der Jugend-Club für Teenager und junge Erwachsene, die unheilbar krank sind, und für deren Geschwister und Freunde kämpft gegen gesellschaftliche Ausgrenzung und sorgt für Vernetzung untereinander. Jetzt bekommt die Banden-Chefin aus Aschaffenburg noch mehr Aufmerksamkeit: Ihr Porträt (fotografiert von Star-Fotografin GABO) ist bundesweit an Bushaltestellen, in Fußgängerzonen und auf riesigen Digitalboards zu sehen. Denn Nina ist Preisträgerin der Goldenen Bild der Frau 2020 – und zwar die jüngste in der Geschichte dieser Auszeichnung!

Verliehen wird sie von Bild der Frau, ein Titel der Funke Mediengruppe und Deutschlands größte Frauenzeitschrift. Die Preisverleihung, eine große Gala, findet am 24. Februar 2021 in Hamburg statt und wird von Kai Pflaume moderiert. Insgesamt sechs Preisträgerinnen werden für ihr Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit gewürdigt.

Bild der Frau unterstützt jedes Projekt mit 10.000 Euro. Bis zum 23. Februar kann man am Telefon oder online abstimmen, welches Projekt den zusätzlich mit 30.000 Euro dotierten Leserinnen- und Leserpreis erhält. Wer die die meisten Stimmen bekommen hat, wird erst während der Verleihung verraten.

Mehr erfahren und (für Nina!) abstimmen kann man hier und auf facebook
Herzlichen Glückwunsch, Nina, und wir drücken weiterhin die Daumen!

Der neue Durchbruch ist da …

… und das steht drin:

DDB0320Inhalt

Leseprobe: 
Padrinos-OI: 20 Jahre internationale Hilfe von OI-Betroffenen für OI-Betroffene
Wer sind unsere Mitglieder? Im Gespräch: René Bulz

Die Redaktion wünscht gute Lektüre!

Neugierig geworden?
Sie wollen mehr lesen und sind noch kein Mitglied? Das lässt sich ändern.
Sie sind Mitglied, bekommen aber die Zeitschrift nicht? Auch das lässt sich ändern.

Herzlichen Glückwunsch, Niklas!

Niklas Luginsland, eFootball-Profi und bis zur Corona-bedingten Schließung der eSport-Abteilung beim VfB Stuttgart (siehe unser Bericht in der DURCHBRUCH-Ausgabe 02/2020) wurde ins Team Leno e-Sport aufgenommen. Das Team wurde von Fußball-Nationaltorhüter Bernd Leno gegründet. Über Niklas´ Aufnahme hat u.a. das Morgenmagazin MoMa berichtet.

Eine tolle Anerkennung und große Herausforderung – wir gratulieren und wünschen viel Erfolg!

Faktencheck Inklusion

„Inklusion?“ – „Ja, aber …“ Zwar spricht sich in Umfragen die Mehrheit der Bevölkerung für Inklusion aus, doch das „Ja, aber …“ ist eine häufige Reaktion, wenn es an dann im Alltag konkret werden soll. Die Aktion Mensch räumt nun in einem Faktencheck mit den 11 wichtigsten Vorteilen über Inklusion auf. Wer immer schon gerne schlagfertig(er) und sachlich(er) reagieren wollte, wenn es wieder heißt, Inklusion sei zu teuer, brauche eben Zeit und sei sowieso nur ein Thema von Eltern mit Kindern mit Förderbedarf, kann sich hier mit Argumenten versorgen.

Notfall-Handlungsempfehlung für die gesundheitliche
Versorgung von Menschen mit OI und Covid 19

Die DOIG hat zusammen mit der ACHSE (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen) eine ⇒Notfall-Handlungsempfehlung-Für-Die-Gesundheitliche-Versorgung-Von-Menschen-Mit-OI-Und-Covid19 erarbeitet, die wir hiermit veröffentlichen. Von der DOIG waren an diesem Prozess der 1. Stellvertreter Max Prigge, der medizinische Beauftragte PD Dr. Oliver Semler und die Beauftragte für gesundheitspolitische Fragen Claudia Finis beteiligt.  
Die Notfall-Handlungsempfehlung dient an Covid 19 erkrankten OI-Betroffenen dazu, diese bei der Einweisung ins Krankenhaus ausgefüllt den behandelnden Ärzten vorzulegen.
Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit mit der ACHSE, insbesondere mit Nicole Heider, Beraterin für Betroffene und Angehörige und der stellvertretenden Geschäftsführerin Dr. Christine Mundlos. 

Neues Zoom-Angebot: OI-Yoga in Online-Sessions

Anmeldungen bitte möglichst bis jeweils am Vortag per E-Mail an Max Prigge, max.prigge(at)oi-gesellschaft.de

Die DOIG freut sich, mit der Yoga-Lehrerin Friederike Mast Online-Yogastunden für Glasknochen-Betroffene in ganz Deutschland anbieten zu können. „Da es für OI-Betroffene häufig schwierig ist, vor Ort ein geeignetes Angebot zu finden, stehen sie ganz klar im Fokus der Praxis“, betont Friederike Mast. Das  Bewegungs- und Entspannungsangebot ist auf OI-Betroffene zugeschnitten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Übungen für die Wirbelsäule, den Brustraum weiten und die Erweiterung der Bewegungsfähigkeit. Die Einheiten sind aber als als inklusive Stunden geplant, sodass Angehörige – ebenfalls mit ihren gegebenenfalls vorliegenden körperlichen Einschränkungen – mitpraktizieren können.

„Mit meiner Art, Yoga zu unterrichten, möchte ich in die Welt tragen, dass jeder Mensch Yoga üben kann, unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlichen Einschränkungen. Deshalb biete ich für Anfänger, Fortgeschrittene und die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen – Praxis im Rollstuhl, auf dem Stuhl, auf der Matte (im Sitzen und/oder Stehen) – verschiedene Bewegungsalternativen an.“ So beschreibt Friederike Mast (www.yeahyeahyoga.de) Verständnis einer inklusiven Yoga-Stunde.

Einige DOIG-Mitglieder kennen – und schätzen – sie von den Yoga-Wochenenden für Mütter des Landesverbandes Hessen, Rheinland Pfalz und Saarland. Ausgebildet ist sie in Vinyasa-Yoga, einer dynamischen Form des Hatha-Yoga. Um den Teilnehmenden Zeit zu geben möchte, sich in den jeweiligen Übungen bequem und körpergerecht auszurichten, um den vollen Nutzen zu erfahren, unterrichtet sie „Art Hatha Flow, bei dem wir langsam von einer Übung zur nächsten fließen und die einzelnen Übungen entweder einige Momente halten oder mehrere Male im Fluss wiederholen.“

Termine und Anmeldung:
Die Online-OI-Yoga-Sessions dauern etwa 60 Minuten, richten sich an Frauen und Männer, OI-Betroffene und Angehörige, Yoga-Anfänger/innen und Fortgeschrittene.  Sie werden an folgenden Terminen stattfinden:

Sonntag 16. August 2020 16:30-17:30 Uhr
Donnerstag 10. September 2020 18:45-19:45 Uhr
Montag 5. Oktober 2020 19:00-20:00 Uhr
Samstag 21. November 2020 10:30-11:30 Uhr
Freitag 11. Dezember 2020 18:30-19:30 Uhr

Anmeldungen bitte möglichst bis jeweils am Vortag per E-Mail an Max Prigge, max.prigge(at)oi-gesellschaft.de

Ablauf:
Eine Yogastunde besteht aus Einstimmung, Körperübungen (Asanas) und Entspannung. Bei der Einstimmung helfen Atemtechniken und/oder eine kleine Meditation, um den Tag leichter hinter sich zu lassen und in der Praxis anzukommen. Über eine ausgiebige Mobilisation wärmen wir uns so auf, dass wir anschließend verletzungsfrei* praktizieren können.
Während der Asana-Praxis wird die Muskulatur insgesamt gestärkt und gedehnt. Für OI-Yogastunden liegt der Fokus dabei auf Übungen, die die Wirbelsäule aufrichten, den Brustraum weiten und die Bewegungsfähigkeit sanft erweitern.
Zum Abschluss der Stunde hat der Körper während der Endentspannung die Gelegenheit, das Erlernte zu integrieren und im Muskelgedächtnis abzuspeichern. Der Geist kann nach Anleitung einfacher Techniken und bei unterstützender Musik zur Ruhe kommen und für einige Minuten „abschalten“.

*Bitte beachten Sie: Bitte seien Sich bei der Anmeldung und während der Stunde bewusst, dass Sie auf eigenes Risiko teilnehmen und für sich selbst verantwortlich sind. Weder die DOIG noch Friederike Mast haften im Fall einer Verletzung während des Trainings. 

Was braucht man für Online-Yoga?
• Internet-Verbindung: WLAN oder – noch stabiler – Verbindung per Ethernet-Kabel
• Zoom-Software: Die Teilnehmenden können die kostenfreie Version auf Desktop, Tablet oder Smartphone installieren.
• Matte/Stuhl: Im Sitzen Praktizierende benötigen einen Stuhl, am besten mit Lehne. Auf dem Boden und/oder im Stehen Praktizierende benötigen eine Yogamatte oder Sportmatte. Zum Ausprobieren reicht ggf. auch ein Teppich.
• Hilfsmittel: Wer auf dem Stuhl keinen Kontakt zum Boden hat, dem können Yogablöcke, ein kleiner Schemel oder ein Stapel Bücher behilflich sein. Mattenpraktizierende profitieren ebenfalls von Yogablöcken oder einem festen Kissen und einer Decke bzw. einem Handtuch.
• Raum: Eine Ecke mit ausreichend Platz für Stuhl oder Matte.
• Bildausschnitt / Licht: Am wichtigsten ist, dass die Teilnehmenden die Lehrerin sehen können. Es wäre schön, wenn es sich einrichten lässt, dass die Lehrerin auch die Teilnehmenden sieht: Für Sitzende geht das am besten frontal, für Mattenpraktizierende ist es gut, wenn die Längsseite der Matte zur Kamera ausgerichtet ist. Bei gutem Bildausschnitt und ausreichend Licht kann sie so die Teilnehmenden gut erkennen und Rückmeldungen geben.

Anmeldungen bitte möglichst bis jeweils am Vortag per E-Mail an Max Prigge, max.prigge(at)oi-gesellschaft.de

Yoga macht nicht alles gut.
Aber vieles unendlich viel besser.
Namasté.

Inhaltsverzeichnis Durchbruch Ausgabe 02/2020

 

Titelbild: Stephanie Clayes, OIFE-Jugendbeauftragte, hat hier allen Grund, zufrieden zu lächel 

 

 

 

 

Titelbild:
Stephanie Clayes, OIFE-Jugendbeauftragte, hat hier allen Grund, zufrieden zu lächeln, weiß aber, dass sie das längst nicht immer muss (siehe Titelthema auf S. 12, Foto: privat)

 

Aus dem Vorstand  
Notification from the board
Seite  3
Jahrestagung (teilweise) online
The shortened online version
of our annual meeting program


Seite  4
CORONA  
Corona und OI:
Unser medizinischer Beirat informiert  
We cover the corona pandemic with information from our medical adversory board
Seite 5
Lachen ist gesund – auch in Pandemiezeiten:
Ein Kinderbuch und #OIsmile
#OISmiles, and a book on Corona, not only for children
Seite 7
„Distant socializing“ ist so viel besser als „social distancing“:
Ein Corona-Erfahrungsbericht von Ute Wallentin
A personal report of experiences during the lock-down
Seite 8
PSYCHE  
„Die Jungs waren so nett zu mir“
Arbnora Sahini Elezi hatte einen Knochenbruch
– und machte trotzdem gute Erfahrungen

Seite 10
Titelthema: Die Kunst, unglücklich zu sein
OIFE-Jugend-Kolumne von Stephanie Claeys
A member of ours tells her story of a broken bone
and the OIFE youth column on the art of being unhappy by Stephanie Claeys


Seite 12



MEDIZIN  
Titelthema: Kiefernekrose: Vermeidung und Behandlung  
Titelthema: OI und ihre Auswirkungen auf die Augen
Prevention and treatment of MRONJ (medication-
related osteoncrosis of jaw), and the effects of OI on the eyes
Seite 14

Seite 17
MENSCHEN  
Titelthema:  
Die Grüne Bande: Interview mit Gründerin und Bandenchefin und weitere Angebote für Geschwisterkinder
Seite 20
SPORT  
Interview mit dem eSport-Profi es VfB Stuttgart,Niklas Luginsland
A youth club for the seriously ill, as well as for their sisters, brothers and friends. And we spoke with Niklas, an e-sport profesional (e-football) of the VfB Stuttgart!




Seite 24
AUS DEN LANDESVERBÄNDEN  
Von Currywurst und Bären:
Der LV Ost lud zum Jugend-Wochenende nach Berlin News from our Federal State Associations
Seite 28
SERVICE ab S. 30
Kontakte
zur Deutschen OI-Gesellschaft
zum medizinischen, therapeutischen
und rehabilitativen Fachpersonal
 
Termine und Vorschau  
Mitgliedsantrag  
Literaturliste  
Contacs, calendar, membership application 
and list of our literature
 

VORSCHAU AUF DIE AUSGABE 03/2020
Schwerpunktthema im kommenden Heft wird das Thema Vernetzung:

Mission Inklusion:
Das junge Team der Aktion Mensch unterstützt Engagierte zwischen 15 und 24 Jahren mit Wissen und Ressourcen und bietet neue Möglichkeiten, in verschiedenen Aktionsformaten und eigenen Projekten für eine inklusive Gesellschaft aktiv zu werden.

ACHSE Wiki:
Die neue Initiative der ACHSE dient der Vernetzung und dem intensiveren Austausch der Mitgliedsverbände. Erfahrungen und Know-how sollen geteilt werden, damit die Verbandsarbeit effektiver wird. 

Der nächste Durchbruch erscheint am 10. September,
Redaktionsschluss ist am 10. August 2020.
Die Redaktion freut sich über Artikel, Anfragen und Themenvorschläge
(durchbruch(at)oi-gesellschaft.de)!

Stellungnahme der DOIG zur aktuellen Diskussion über die Zuteilung von Ressourcen
Triage in der Notfall- und Intensivmedizin bei Covid-19-Erkrankten

Die Deutsche OI-Gesellschaft ist besorgt über die derzeitige Diskussion einer Triage und lehnt diese im Hinblick auf das Grundgesetz als verfassungswidrig ab. Gleichzeitig appelliert sie an die Krankenhäuser, Angehörige von behinderten, pflegebedürftigen oder chronisch vorerkrankten Covid-19-Kranken bereits bei der Aufnahme in die Pflege und Behandlung einzubeziehen, um die Chance einer erfolgreichen Behandlung zu erhöhen und das Mortalitätsrisiko zu verringern. Die DOIG ist bereit, nach der Krise bei Einbeziehung aller relevanten und betroffenen Gruppen an der Formulierung von ethischen und verfassungs-konformen Triage-Richtlinien mitzuarbeiten.

Hamburg, den 20. April 2020 – Am 25. März 2020 verabschiedeten sieben Fachgesellschaften klinisch-ethische Empfehlungen über die „Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie“ (1). Falls im Verlauf der Corona-Pandemie Ressourcen nicht für alle an Covid-19 Erkrankten ausreichen werden, sollen diese Handlungs-empfehlungen den medizinischen Fachkräften entscheiden helfen, wer akut-/intensiv-medizinisch (weiter-)behandelt wird und wer nicht. Es käme zu einer Priorisierung, analog der Triage der Katastrophenmedizin.

Damit eine akut-/intensivmedizinische (Weiter-)Behandlung im Fall einer Ressourcen-knappheit diskutiert wird, müssen laut diesen Empfehlungen eine positive klinische Erfolgsaussicht sowie eine Einwilligungserklärung (aktuell oder vorausverfügt) der erkrankten Person vorliegen. Bei der (Re-)Evaluation der Erfolgsaussicht werden drei Bereiche beurteilt: die aktuelle Covid-19-Erkrankung (z. B. Schweregrad), Komorbiditäten (z. B. chronisches Organversagen, weit fortgeschrittene neurologische oder onkologische Erkrankung) sowie der allgemeine Gesundheitszustand.

Letzterer soll in dieser Situation nach Indices wie der Clinical Frailty Scale (CFS, Klinische Frailty Skala) bemessen werden, die Gebrechlichkeit nach neun Stufen unterscheidet, aber nur bei älteren Personen ab 65 Jahren klinisch validiert ist (2). Behinderte, die einen Rollator oder einen Rollstuhl benutzen und Unterstützung etwa in Form einer Persönlichen Assistenz benötigen, würden damit von vornherein schlecht eingestuft und es würde fälschlicherweise angenommen werden, dass sie nicht von einer intensiv-medizinischen Behandlung profitieren würden.

In den Empfehlungen heißt es ausdrücklich:

„Die Priorisierung von Patienten sollte sich deshalb am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht orientieren, was nicht eine Entscheidung im Sinne der „best choice“ bedeutet, sondern vielmehr den Verzicht auf Behandlung derer, bei denen keine oder nur eine sehr geringe Erfolgsaussicht besteht.“

Auch wenn die Autoren und Autorinnen ihren eigenen verfassungsrechtlichen Bedenken explizit Ausdruck verleihen, hält sie das gleichwohl nicht davon ab, die aus ihrer Sicht „am ehesten begründbare(n) ethische(n) Grundsätze in einer tragischen Entscheidungssituation“ zu entwickeln (3).

Spätestens hier zeigt sich, wenig überraschend zwar, aber dennoch nicht weniger beunruhigend, wie ohne Beteiligung von Betroffenenverbänden wie den Deutschen Behindertenrat und anderen Selbstvertretungsorganisationen Empfehlungen ausgesprochen werden, „die im Zweifel pauschalisiert ganze Gruppen von Menschen von lebensrettenden Behandlungen ausschließen“ (4 und 5).

In der öffentlichen Diskussion liegt der Fokus bei den Hochrisikogruppen für eine Covid-19-Erkrankung auf älteren Menschen mit Vorerkrankungen. Junge Menschen mit einer Behinderung, deren Behandlungschancen durch eine Triage ebenfalls sinken würden, scheinen in der Diskussion vergessen zu werden. Ein einseitig defizitär geprägtes und ableistisches Bild von Alter und Behinderung, das in unserer Gesellschaft leider immer noch herrscht, liegt auch den besprochenen Empfehlungen zugrunde. Gleichzeitig zementieren die Empfehlungen dieses Bild weiter.

Die DOIG ist über die derzeitige Situation höchst besorgt und hofft, dass die Knappheit der Ressourcen im weiteren Verlauf der Pandemie nicht ein solches Ausmaß erreichen wird, das eine Anwendung solcher Empfehlungen wahrscheinlicher werden lässt. Den Einsatz einer Triage lehnt die DOIG im Hinblick auf das Grundgesetz, vor allem auf Artikel 3 Punkt 3, ab. Dieser lautet:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Die DOIG hält eine Triage, wie sie derzeit diskutiert wird, und das damit verbundene Abwägen von Leben gegen Leben für verfassungswidrig und fordert die Politik dazu auf, eine Triage zu unterbinden, um die Gleichheit aller Menschen auch in Zeiten einer Pandemie zu gewährleisten (6).

Um den medizinischen Behandlungsteams, den bei einer Ressourcenknappheit eine enorme emotionale Belastung zugemutet wird, wenigstens bei der damit einhergehenden moralischen Herausforderung zu helfen, empfiehlt die DOIG die akut-/intensivmedizinische Behandlung der an Covid-19-Erkrankten ausschließlich in der Reihenfolge des Aufnahmezeitpunktes in den Krankenhäusern, ungeachtet deren Alters, einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung.

Des Weiteren bittet die DOIG alle Krankenhäuser dringend, bei behinderten, pflegebedürftigen Erkrankten und solchen mit Seltenen chronischen Erkrankungen Möglichkeiten dafür zu schaffen, dass deren Angehörige bei der Pflege und Behandlung unterstützend hinzugezogen werden können.

Familienmitglieder, Partner und Partnerinnen sind für Menschen mit einer Seltenen Erkrankung von entscheidender Wichtigkeit: Sie verfügen in der Regel über eine Expertise für die Krankheit oder Behinderung, kennen die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Betroffenen, deren Krankheitsverlauf und -geschichte. Sie müssen daher die Möglichkeit haben, die Intensivstation zu besuchen und das medizinische Team zu unterstützen – nicht erst in der Palliativsituation, sondern bereits ab der Aufnahme.

Bei Menschen mit Glasknochen etwa fördert ein punktuelles Zufassen oder einseitige Belastung das Frakturrisiko. Auch das Lagern in bestimmten Positionen über einen längeren Zeitraum kann zu einem Ermüdungsbruch führen, wenn die Belastung auf den Knochen zu groß werden. Wenn sich der Betroffene aber auf Grund einer Beatmung nicht mehr äußern und die Pflegekräfte nicht auf den richtigen Umgang hinweisen kann, steigt das Frakturrisiko. Eine Rippen- oder Wirbelfraktur unter Beatmung kann die Erfolgsaussicht einer Behandlung mindern und im schlimmsten Fall das Mortalitätsrisiko erhöhen.

Ähnliche Probleme sind bei Menschen mit einem schwachen Muskel- und Skelettsystem zu erwarten.

Der DOIG ist bewusst, dass das Thema der Ressourcenknappheit sehr schwierige und ethisch komplexe Fragen aufwirft. Die DOIG ist deshalb bereit, nach der Krise an ethischen und verfassungskonformen Triage-Richtlinien mitzuarbeiten. Eine Beteiligung aller Interessens- und Betroffenengruppen hierbei ist unabdingbar.

 

Anmerkungen:

1) https://www.divi.de/empfehlungen/publikationen/covid-19/1540-covid-19-ethik-empfehlung-v2/file Im ersten Abschnitt heißt es: „Die Empfehlungen werden (…) weiterentwickelt. Die jeweils aktuelle Fassung ist unter www.divi.de zu finden. Eine Kommentierung der Empfehlungen ist ausdrücklich erwünscht.“

2) https://www.divi.de/images/Dokumente/200331_DGG_Plakat_A4_Clinical_Frailty_Scale_CFS.pdf

3) DIVI, a.a.O., S. 4ff.

4) https://abilitywatch.de/2020/03/30/fachgesellschaften-veroeffentlichen-ethisch-und-verfassungsrechtlich-fragwuerdige-covid19-empfehlungen/

5) „Dieser utilitaristische Ansatz widerspricht dem Fundament unseres Grundgesetzes, nach dem nicht die größtmöglich summierte Würde geschützt ist, sondern die Würde jedes Einzelnen.“ Zitiert aus: „Stellungnahme zu den Empfehlungen der Fachverbände für den Fall einer Triage“, Forum der behinderten Juristinnen und Juristen (FbJJ), S. 4

6) „Selbstverständlich ist alles Zulässige zu unternehmen, um so viele Menschenleben wie möglich zu retten. Doch dürfen die dafür erforderlichen Maßnahmen den Rahmen verfassungsrechtlich zwingender Gebote nicht überschreiten. Auch persönliche ethische Überzeugungen, die etwa eine reine Ergebnisorientierung und mit ihr die unbedingte Maximierung der Zahl geretteter Menschenleben fordern mögen, können ein Handeln, das die skizzierten Grenzen des Verfassungsrechts überschritte, nicht rechtfertigen.“ Zitiert aus: Deutscher Ethikrat: Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise. Ad-hoc-Empfehlungen, vom 27. März 2020, S. 3 ff Der Deutsche Ethikrat stellt klar, dass der Staat menschliches Leben nicht bewerten darf und deshalb auch nicht vorschreiben kann, welches Leben in einer Konfliktsituation vorrangig zu retten ist. Umgekehrt weist er aber auch darauf hin, dass Fachgesellschaften im Rahmen der vorgenannten Grundvorgaben wichtige Orientierungshilfen geben können und sollten, die inhaltlich über das hinausgehen, was staatlicherseits zulässig wäre. (https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf)

Ansprechpartner für Fragen:
Max Prigge, 1. Stellvertreter der DOIG
Tel.: 040 / 69087-205
max.prigge@oi-gesellschaft.de